Uli Geitel
»Trautes Heim« — der Titel evoziert Vertrautheit und Behaglichkeit, spielt aber zugleich mit der ironischen Distanz, die dem Begriff seit seiner sprichwörtlichen Überlieferung anhaftet. Das Blatt aus dem Jahr 1993 nimmt den häuslichen Raum als Sujet und befragt ihn auf seine Oberflächen hin: Was wirkt wohnlich, was ist Kulisse?
Uli Geitel arbeitet in Köln und verbindet in dieser Arbeit reproduktionstechnische Mittel mit handwerklicher Direktheit. Als Grundlage dient die Fotokopie — ein Verfahren, das seit den 1970er-Jahren in der Konzept- und Fluxuskunst als Instrument der Entauratisierung gilt und das Original bewusst in Distanz hält. Auf diesen Kopiergrund trägt Geitel Pigmentmarker auf, die gezielte Farbsetzungen und Überarbeitungen ermöglichen, und fixiert die Komposition mit Feucht-Klebestreifen — einem alltäglichen Material, das den Werkcharakter des Blattes offen ausstellt. Das Zusammenspiel der Schichten macht den Herstellungsprozess sichtbar und erdet das Motiv im Handgemachten, ohne Spontaneität vorzutäuschen. Das Ergebnis ist ein Blatt, das Häuslichkeit nicht illustriert, sondern befragt.
| Technik | Uli Geitel, Köln; Fotokopie, Pigmentmarker, Feucht-Klebestreifen |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 49 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 24, 1993 |