Andreas Vietz: Bad Kleinen
Eins von Hundert · Ausgabe 23 · 1993

Andreas Vietz

Bad Kleinen · aus Köln

Ein schwarzer Schriftzug auf einem zerknitterten Werbezettel — der Ortsname Bad Kleinen, nichts weiter. Und doch trägt dieser lapidare Befund das gesamte Gewicht eines Jahres, das die Bundesrepublik politisch erschütterte: Am 27. Juni 1993 starben auf dem Bahnhof des mecklenburgischen Kleinstädtchens der RAF-Terrorist Wolfgang Grams und der GSG-9-Beamte Michael Newrzella. Was genau geschah, blieb jahrelang ungeklärt und löste eine tiefe Vertrauenskrise gegenüber Staat, Justiz und Medien aus. Vietz hält diesen Moment fest, indem er den Ortsnamen selbst zum Bild macht — als ob der bloße Verweis genüge, um das kollektive Gedächtnis zu aktivieren.

Andreas Vietz gehört zur Kölner Graphikwerkstatt, die er gemeinsam mit Jutta Vollmer betreibt; beide studierten an den früheren Kölner Werkkunstschulen am Ubierring und haben die Druckgrafik zum Zentrum ihres künstlerischen wie vermittelnden Wirkens gemacht. Vietz arbeitet mit dem breiten Spektrum druckgrafischer Verfahren — Radierung, Siebdruck, Holzschnitt, Linoldruck — und interessiert sich dabei für die Spannung zwischen handwerklicher Bescheidenheit und politischer Aufladung. Das vorliegende Blatt verdichtet diese Haltung: Der Linoldruck auf einem Werbezettel kombiniert zwei Wegwerfmaterialien der Alltagskultur zu einem kommentarlosen, umso wirksameren Dokument.

TechnikLinoldruck auf Werbezettel
Format30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn
Exemplar25 von 100, signiert
AusgabeNr. 23, 1993
110 €
mit Rahmen · zzgl. Versand
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