Elisabeth Broel
Das Blatt lebt von einer produktiven Spannung zwischen Kontrolle und Zufall. Tesafilm — ein Material des Alltags, das Spuren hinterlässt, wenn man es ablöst — wird hier zum bildnerischen Werkzeug: Er entzieht der Papieroberfläche Fasern, öffnet die Struktur und schafft jene matten, leicht aufgerauten Zonen, in die Beize einsinken kann. Darüber legen sich Stempelabdrücke und Graphit-Spuren — das eine wiederholend und seriell, das andere tastend und körperlich. Die Kombination ergibt eine Arbeit, die sich keiner einzigen Technik zuordnen lässt, sondern das Druckgrafische mit dem Materialbild und dem Zeichnerischen kurzschließt.
Elisabeth Broel, 1958 in Bardenberg bei Aachen geboren, arbeitete als Autodidaktin in Köln und bewegte sich in den Feldern Collage, Buchobjekt sowie Film und Video als bildnerisches Medium. Seit 1989 zeigte sie ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Ihre enge Verbindung zur Welt der Editionen, Handpressendrucke und Künstlerbücher — dokumentiert durch die EDITIONALE, die sie im Jahr 2000 mitgründete — macht deutlich, dass Broel das Verhältnis von Material, Träger und Verfahren als konzeptuellen Kern ihrer Praxis verstand. Das vorliegende, 1993 entstandene Blatt aus dieser frühen Werkphase belegt das experimentelle Potential einer Kunst, die im Kleinen Format große Fragen an das Medium stellt.
| Technik | Tesafilm, Beize, Stempel, Graphit |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 18 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 23, 1993 |