Tobias Gerstner
Ein transparenter Bildträger, kein Pinsel, keine Farbe — nur die metallene Spur einer Kugelschreibermine auf Folie: In diesem titellos gebliebenen Werk von 1993 macht Tobias Gerstner den Zeichengrund selbst zum Thema. Die Folie ist weder neutral noch unsichtbar; ihr Eigengewicht — Lichtdurchlässigkeit, leichte Spiegelung, das Changieren zwischen Fläche und Tiefe — ist integraler Bestandteil des Bildes. Der Kugelschreiber, traditionell Gebrauchsinstrument statt Kunstwerkzeug, hinterlässt Linien von präziser, kaum variierender Stärke und verleiht dem Blatt eine sachliche, beinahe diagrammatische Qualität, die sich jeder expressiven Geste verweigert.
Das Werk entstand in einem Moment, in dem der Einsatz von Alltagsmaterialien und Industrie-Trägern in der zeitgenössischen Zeichnung intensiv verhandelt wurde — von Arte Povera bis Konzeptkunst hatten Künstler seit den 1970er-Jahren das Repertoire der Zeichenmittel radikal erweitert. Gerstner bewegt sich in dieser Tradition, ohne ihr zu folgen: Das Blatt behauptet seine Stille.
| Technik | Kugelschreiber auf Folie |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 17 von 100, signiert |