Ursula Knorr
Ein Blick durch ein Fenster ist immer auch eine Entscheidung über Nähe und Distanz: was bleibt innen, was gehört zur Außenwelt, wo verläuft die Grenze zwischen dem Beobachtenden und dem Beobachteten. Ursula Knorrs Linoldruck Fenstereinsicht aus dem Jahr 1993 stellt genau diese Frage — schon im Titel verbirgt sich eine leise Umkehrung: nicht der Blick hinaus, sondern die Einsicht, die das Fenster gewährt oder verweigert.
Ursula Knorr studierte an den Kölner Werkschulen und richtete 1992, unmittelbar nach dem Abschluss, ein Atelier im Kölner Stadtteil Zollstock ein, wo sie bis heute arbeitet. Ihre Bildsprache bewegt sich im Spannungsfeld zwischen figürlicher Reduktion und grafischer Verdichtung — Qualitäten, die dem Hochdruckverfahren des Linoldrucks besonders entgegenkommen.
Der Linoldruck erlaubt durch seine charakteristischen Schnittspuren eine markante Flächigkeit: Hell-Dunkel-Kontraste entstehen nicht durch Modellierung, sondern durch das, was der Schnitt stehen lässt und was er wegnimmt. Diese druckgrafische Logik des Weglassens trägt das Motiv — die selektive, gefilterte Sicht durch das Fenster — auch formal. Das Werk erschien 1993 als Ausgabe 23 der Edition Eins von Hundert in einer Auflage von je 100 nummerierten Exemplaren im Format A4.
| Technik | Linoldruck |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 22 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 23, 1993 |