Andreas Drewer
Das unbetitelte Blatt entstand 1995 — in jenen Jahren, da Drewer noch vorwiegend in Malerei und Mail-Art arbeitete, bevor er sich dem installativen und videografischen Werk zuwandte. Im Linolschnitt verdichten sich Linie und Fläche zu einer Struktur, die zugleich klar und offen ist: Der Schnitt setzt Grenzen, die Aquarellierung hebt sie wieder auf, und der aufgebrachte Stempel fügt dem handwerklichen Prozess eine serielle, beinahe konzeptuelle Geste bei. So entsteht ein Blatt, das in seiner Schichtung aus Druck, Farbe und Zeichen mehr ist als die Summe seiner Verfahren — ein Zustand zwischen Kontrolle und Zufall, den auch Drewers spätere Arbeit immer wieder befragt.
Andreas Drewer, in Dortmund ansässig und im Künstlerhaus Dortmund aktiv, hat Philosophie und Germanistik studiert und 1993 die Zeitschrift ARTIC — Zeitschrift für Kunst und Philosophie mitgegründet; sein künstlerischer Ansatz bewegt sich im Spannungsfeld von Sehen, Erkennen und Erzählung. Das frühe Druckwerk von 1995 zeigt diesen Impuls schon klar: Die aquarellierte Fläche lässt das Motiv zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion schweben, und der Stempel verweist auf Wiederholung und Transformation — Qualitäten, die dem nächtlichen Licht, das keine Form fest hält, nicht fern sind.
| Technik | Linolschnitt, aqurelliert und gestempelt |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 97 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 32, 1995 |