Michail Kudnikow
Eine Bleistiftzeichnung ohne Titel (»O.T.«) aus dem Jahr 1995: das Blatt entsteht in St. Petersburg, in jener aufgeladenen Übergangszeit, in der die Stadt gerade ihren sowjetischen Namen abgelegt hatte und künstlerische Positionen neu verhandelt wurden. Was der Bleistift in seiner reduzierten Unmittelbarkeit festhält — Licht, Form, den Zwischenraum zwischen Sichtbarem und Angedeutetem — trägt jene nächtliche Qualität in sich, die dem Mond seit jeher zukommt: ein Leuchten, das aus dem Zurückgenommenen entsteht.
Michail Kudnikow (geb. 1961, ukrainischer Herkunft, wohnhaft und arbeitend in St. Petersburg) studierte zunächst an der Kunstschule Lugansk, bevor er von 1986 bis 1993 sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste St. Petersburg abschloss. Seinen Stil beschreibt er selbst als »ein bisschen phantastisch, ein bisschen komisch, ein bisschen fremdartig«: Figuren und Formen bewegen sich an der Grenze zwischen konkreter Darstellung und Ornament, die Kompositionen entstehen aus einer akribischen Vielzahl von Vorstudien. Die Bleistiftzeichnung als Medium erlaubt ihm, diese Schichtung von Entwurf und Endform direkt sichtbar zu lassen — das Zeichengerät als Instrument des tastenden Denkens wie des präzisen Setzens.
| Technik | Bleistiftzeichnung |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 4 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 32, 1995 |