Klaus Heid
Zwölf Monde, die keine Monde sind — zumindest nicht im astronomischen Sinn. Klaus Heid entwirft mit diesem 1995 entstandenen Blatt ein kosmologisches System, das einer erfundenen Kultur gehört: den Khuza, einem neolithischen Volk, dessen Mythologie Heid im selben Jahr während eines Kunstsymposiums auf der sibirischen Baikalinsel Olkhon entwickelte. Die Khuza existieren nicht als archäologischer Befund, sondern als konsequent ausgearbeitete künstlerische Fiktion — inklusive eigener Kosmologie, Kalendersysteme und, wie dieses Werk zeigt, einer Himmelsmechanik mit zwölf distinkten Monden und ihren Umlaufbahnen.
Klaus Heid, 1958 in Karlsruhe geboren, arbeitet seit den 1980er Jahren als freischaffender Bildender Künstler. Seine Praxis verbindet Zeichnung, Text, Fotografie und performative Forschung in einem Ansatz, den er selbst als »suggestofiktiv« beschreibt: Erfindungen, die mit den Mitteln und der Sprache wissenschaftlicher Disziplinen operieren, um Wirklichkeitskonstruktionen sichtbar und befragbar zu machen. Das Khuza-Projekt, das ab 1995 auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt wurde, steht exemplarisch für diese Methode.
Technisch arbeitet Heid hier mit Fotokopie und Tinte auf Transparentpapier — ein bewusst vorläufig wirkendes, archiv- und dokumentationsnahes Verfahren, das den Gestus wissenschaftlicher Aufzeichnung imitiert und zugleich unterläuft.
| Technik | Fotokopie, Tinte auf Transparentpapier |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 28 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 32, 1995 |