Hartmut Andryczuk
»Meer der Stille« — so heißt ein ausgedehntes Tiefland auf der Erde zugewandten Seite des Mondes, das die Astronomen seit dem 17. Jahrhundert als Mare Tranquillitatis kartieren. Für Hartmut Andryczuks Offsetdruck von 1995 ist dieser Name Programm und Poesie zugleich: Stille lässt sich weder abbilden noch drucken — sie muss im Betrachter entstehen.
Hartmut Andryczuk, 1957 in Barsinghausen geboren und seit Jahrzehnten in Berlin tätig, bewegt sich als Künstler, Autor und Verleger im Grenzbereich von visueller Poesie, experimenteller Literatur und Buchkunst. 1993 gründete er den Hybriden-Verlag, der sich zu einem internationalen Forum für zeitgenössische Künstlerbücher entwickelte; seine Arbeiten befinden sich in bedeutenden Sammlungen weltweit. Sein bildnerisches Denken speist sich aus Verbindungen zur konkreten Poesie, zum Fluxus-Umfeld und einer genuin grafischen Zeichensprache, in der Schrift, Symbol und Bild ineinandergreifen.
Der Offsetdruck als Technik schreibt sich in diese Tradition ein: ein reproduktives Verfahren, das Andryczuk durch die eigenhändige Signatur mit rotem Filzstift in ein unikates Objekt überführt — das handschriftliche Rot markiert die Grenze zwischen Serie und Singular.
| Technik | Offsetdruck; mit rotem Filzstift signiert, |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 10 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 32, 1995 |