Ursula Knorr
Das Blatt verbindet zwei technisch und konzeptuell gegensätzliche Verfahren: Der Linoldruck — ein Relief-Druckverfahren mit langer Tradition in der Grafik des 20. Jahrhunderts — tritt hier in zweifarbiger Ausführung auf und wird mit dem Fotokopierverfahren kombiniert. Letzteres zählt seit den 1980er Jahren zu den bevorzugten Mitteln einer Kunst, die serielle Reproduktion und die Ästhetik des Mechanischen bewusst aufgreift. Das Nebeneinander beider Techniken erzeugt eine Spannung zwischen dem Handgemachten und dem maschinell Vervielfältigten, zwischen Druckmatrix und Kopiergerät — eine Gegenüberstellung, die Fragen nach Original und Reproduktion, nach Unikat und Serie ins Bild setzt.
Ursula Knorr war in Köln ansässig und hat an den ehemaligen Kölner Werkschulen studiert, wo sie ihr Atelier nach dem Studienabschluss 1992 im Kölner Stadtteil Zollstock einrichtete. Ihr Werk umfasst Malerei, Druckgrafik und Zeichnung; die Druckgrafik bildet dabei einen dauerhaften Schwerpunkt. Innerhalb der Edition »Eins von Hundert«, die seit 1988 Kölner Künstlerinnen und Künstler mit Originalarbeiten im Format A4 versammelt, steht Knorrs Blatt von 1995 für einen künstlerischen Ansatz, der grafische Tradition und zeitgenössische Reproduktionsmedien produktiv kurzschließt — komprimiert auf ein einziges, auf hundert Exemplare limitiertes Blatt.
| Technik | Fotokopie, zweifarbiger Linoldruck |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 17 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 31, 1995 |