Harald Goldhahn
Der Titel »Blindgang« evoziert Orientierungslosigkeit, ein Vorantasten ohne gesicherten Blick — ein Zustand, der sich im Linolschnitt als Medium auf eigentümliche Weise spiegelt: Auch der Druckstock entsteht durch Eingriff ins Material, durch Schnitte, deren Wirkung sich erst im Abzug zeigt, nie in der bearbeiteten Platte selbst.
Harald Goldhahn (1955 Schöneck/Vogtland — 2009 Marktleuthen) war Grafiker und Musiker, der in der Tradition des deutschen Künstlerbuchs und der freien Druckgrafik arbeitete. In Marktleuthen betrieb er die Edition Coq au Vin, in der er Musik und bildende Kunst konsequent zusammenführte; eigene Linolschnitte illustrierten dabei Texte aus dem Blues-Kontext. Diese Verbindung von handwerklicher Bildsprache und subkulturellem Milieu prägt auch seine grafischen Arbeiten der 1990er-Jahre.
»Blindgang« entstand 1995 als Linolschnitt von zwei Platten auf 150 g Karton — ein Verfahren, bei dem zwei separat geschnittene Platten nacheinander auf dasselbe Blatt gedruckt werden und durch ihre Überlagerung Farbigkeit und Raumtiefe erzeugen. Das zweiplatige Verfahren erlaubt eine präzise Trennung von Farbebenen, verlangt aber absolute Passgenauigkeit im Druck. Das Ergebnis ist ein handgefertigtes Original, das die Körperlichkeit des Schnitts direkt in der Oberfläche des Blattes sichtbar macht.
| Technik | Linolschnitt von zwei Platten auf 150g Karton |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 86 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 31, 1995 |