Johanna Bolkart
Stille kann donnernd laut sein — das ist der Widerspruch, den Johanna Bolkart in ihrem 1995 entstandenen Blatt Roaring Silence ins Bild setzt. Der Titel benennt ein akustisches Paradox: ein Brüllen, das aus dem Schweigen heraus entsteht, oder umgekehrt eine Stille, die so dicht ist, dass sie zu dröhnen beginnt. Was das Auge auf dem Papier empfängt, ist das Ergebnis eines bewusst reduzierten, körpernahen Verfahrens — handgeführte Stempel, die Zeichen, Strukturen oder Texte in einem schichtbaren, stets seriellen Vorgang auf das Blatt übertragen.
Über Johanna Bolkart aus Habichtswald lassen sich biografisch keine gesicherten Angaben aus öffentlich zugänglichen Quellen ableiten. Innerhalb der Ausgabe 31 von Eins von Hundert steht sie neben Künstlerinnen und Künstlern, die im Köln der 1990er-Jahre mit konzeptuellen, materialexperimentellen und druckgrafischen Ansätzen arbeiteten. Die Stempeltechnik, die Bolkart hier einsetzt, ist in diesem Kontext kein bloß handwerkliches Mittel: Sie verweist auf den Conceptual-Art-Diskurs, der die Wiederholung und die Spur des Abdrucks als eigenständige Bildsprache begreift — zwischen Schrift, Geste und grafischem Zeichen. Das Papier ist dabei nicht nur Träger, sondern Resonanzkörper.
| Technik | Papier, Stempel |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 9 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 31, 1995 |