Gudrun Näkel-De Noronha
Das untitled Werk von 1993 verbindet zwei Verfahren, die in der Kölner Kunstszene der frühen 1990er Jahre vielfach erprobt wurden: Fotokopie und Lack. Die Kombination dieser Mittel ist charakteristisch für eine konzeptuell orientierte Praxis, in der Reproduktionstechnologie nicht bloß als Hilfsmittel dient, sondern selbst zum Bildträger wird. Der Fotokopie haftet eine eigene Ästhetik an — Rasterpunkte, Graustufen, das leichte Körnige des maschinell Vervielfältigten — und durch den Auftrag von Lack erhält die Oberfläche eine neue, oft partiell reflektierende Qualität: Das Mechanische wird versiegelt, verändert, in etwas Handgemachtes überführt.
Gudrun Näkel-De Noronha ist als Kölner Künstlerin in lokalen Ausstellungszusammenhängen dokumentiert; eine umfassende monografische Darstellung liegt öffentlich nicht vor. Ihr Werk im vorliegenden Blatt lässt sich dennoch klar verorten: in jenem Grenzbereich zwischen Druckgrafik und Malerei, der in den 1990er Jahren — beeinflusst von der konzeptuellen Linie der Nachkriegsavantgarde ebenso wie von den Möglichkeiten alltagsnaher Reproduktionstechnik — breiten Raum in der Kölner Szene einnahm. Die Technik aus Fotokopie und Lack erlaubt eine produktive Spannung zwischen dem Anonymen der Vervielfältigung und dem Eigensinn des individuellen Eingriffs — ein Verhältnis, das in dieser limitierten Auflage von hundert Exemplaren bewusst weitergedacht wird.
| Technik | Lack, Fotokopie |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 39 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 21, 1993 |