H.W. Martin
Der Titel zitiert Henrik Ibsens Formel aus »Ein Volksfeind« — jene bittere Wendung, mit der der Doktor Stockmann beschreibt, wie eine gleichgeschaltete Mehrheit Wahrheit und Dissens erstickt. H.W. Martin greift diesen Begriff 1993 auf und überführt ihn in die Sprache des Hochdrucks: im Linolschnitt, einem Medium, das von seiner Anlage her mit dem Gegensatz zwischen freigelassener Fläche und stehengebliebener Form operiert. Was herausgeschnitten wird, bleibt weiß; was bleibt, druckt. Schon in dieser technischen Logik steckt eine Aussage über Präsenz und Ausgrenzung.
Über H.W. Martin aus Kerpen liegen keine gesicherten Einträge in öffentlichen Künstlerdatenbanken vor. Das Werk entstand im Umfeld der Kölner Kunstszene der frühen Neunziger, aus der heraus die Edition »Eins von Hundert« seit 1988 lokale und regionale Positionen dokumentiert. Der Linolschnitt — ein Hochdruckverfahren, bei dem Messer und Hohleisen die Platte gestalten und die erhabenen Partien die Farbe auf das Papier übertragen — ermöglicht klare, kontrastreiche Flächen ohne die Maserungsbindung des Holzes. Martin nutzt dieses Potenzial für ein Motiv, das seinen rhetorisch aufgeladenen Titel ernst nimmt: die kompakte Majorität als bildliches Argument, gedruckt in einer Auflage von hundert Exemplaren.
| Technik | Linolschnitt |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 54 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 21, 1993 |