Elvira Reith
1990 dokumentiert Elvira Reith mit dem Bleistift ein architektonisches Zeichen an einer historischen Schwelle: das „Europäische Haus" in Köln, festgehalten im Jahr der deutschen Wiedervereinigung und des europäischen Aufbruchs. Der Blick geht nach Westen — ein Richtungshinweis, der im Entstehungsjahr mehr als geografische Orientierung bedeutet. Die Zeichnung in Bleistift auf DDR-Papier trägt den Kontext buchstäblich im Material: Das Trägermedium, das im Osten produziert wurde, nimmt die historische Spannung des Motivs auf und verleiht ihr eine stille, dokumentarische Dichte.
Elvira Reith lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Köln. Ihr Werk bewegt sich seit Jahrzehnten an der Schnittstelle von bildender Kunst, politischem Kommentar und kuratorischer Praxis. Zeichnung, Collage, Installation und Performance dienen ihr gleichermaßen als Mittel zur Reflexion auf gesellschaftliche und politische Gegebenheiten — darunter wiederholt Themen des europäischen Umbruchs, der Teilung und der Erinnerung. Die vorliegende Arbeit entstand in einer Phase, in der solche Fragen besonders drängend waren, und zeigt Reiths Vermögen, Geschichte durch präzise, unaufgeregte Linie zu befragen. Der Bleistift bleibt dabei das direkteste Mittel: keine malerische Überhöhung, nur das sachliche Festhalten eines Ortes und seiner Bedeutung in einem singulären Moment.
| Technik | Bleistift auf DDR-Papier |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 16 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 10, 1990 |