Hermann Hummer: L'Autoerotisme
Eins von Hundert · Ausgabe 10 · 1990

Hermann Hummer

L'Autoerotisme · aus Wien

Der französische Titel L'Autoerotisme benennt direkt, was das Bild thematisch umkreist: die Wendung des Begehrens auf das eigene Ich, ein Motiv, das in der Körper- und Identitätsdiskussion um 1990 erhebliche künstlerische Aufmerksamkeit erfuhr. Das Werk entstand in Wien zu einem Moment, da die Stadt — beeinflusst vom Nachhall des Wiener Aktionismus und einer lebhaften Auseinandersetzung mit Körper, Trieb und Repräsentation — einen fruchtbaren Boden für Arbeiten bot, die das Intime als ästhetisches Material ernst nehmen.

Über Hermann Hummer lassen sich auf Basis der verfügbaren Daten keine gesicherten biografischen Aussagen treffen. Was das Werk selbst preisgibt, ist technisch prägnant: Eine Fotokopie dient als Bildträger und Bedeutungsebene zugleich — das maschinelle Vervielfältigungsverfahren zitiert Serialität und Massenhaftigkeit —, während die darüber gelegte Ölpastellfrottage eine haptisch-körperliche Geste einschreibt. Frottage, die Technik des Durchreibens einer Oberfläche, hat seit Max Ernst eine surreale Konnotation, die hier durch das erotische Sujet produktiv aufgeladen wird. Das Zusammenspiel von kalter Reproduktion und warmem, druckempfindlichem Pastel erzeugt eine spannungsvolle Dialektik zwischen Distanz und Nähe, Mechanik und Berührung.

TechnikFotokopie, Ölpastellfrottage
Format30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn
Exemplar41 von 100, signiert
AusgabeNr. 10, 1990
110 €
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