Andreas Vietz
Der Begriff „Reliquiensammlung" verweist auf das Bewahren und Anordnen von Fragmenten, Überresten und Spuren — ein Thema, das in den frühen 1990er Jahren im Umfeld von Konzept- und Arte-Povera-nahen Strömungen verbreitet war. Andreas Vietz versammelt auf dem Träger aus Cromolux — einem hochwertigen, glänzend kaschierten Druckkarton — verschiedene reale Materialien, die so zugleich Objekt und Bild, Fundstück und Zeugnis werden. Der Titel benennt das Prinzip unmittelbar: Gesammelte Dinge erhalten durch die Montage einen quasi-sakralen Stellenwert, werden aus ihrem alltäglichen Zusammenhang gelöst und in eine neue, verdichtete Ordnung überführt.
Andreas Vietz, 1958 in Bad Honnef geboren, studierte Grafik-Design und anschließend Freie Kunst in Köln — zuletzt als Meisterschüler. Sein Werk bewegt sich im Spannungsfeld von Druckgrafik, Fotografie und Materialmontage; 1995 gründete er die Kölner Graphikwerkstatt, die bis heute als Produktions- und Vermittlungsort für originalgrafische Techniken wirkt. Die Arbeit von 1994 entstand kurz vor dieser institutionellen Gründungsphase und zeigt Vietz' charakteristischen Ansatz: verschiedene Materialien werden auf den Bildträger aufgebracht und zu einer dichten, vielschichtigen Komposition gefügt, bei der das haptische Element des Materials gleichrangig neben dem grafischen Bild steht.
| Technik | Versch. Materialien auf Cromolux, Collage |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Ausgabe | Nr. 27, 1994 |