Jürgen Olbrich
Zwei Seiten aus einem privaten Tagebuch — und doch mehr als ein bloßes Dokument des Alltags. Jürgen O. Olbrichs Arbeit von 1994 macht das Intime zum Bildgegenstand: Vorgefundenes Material, das normalerweise dem privaten Archiv oder dem Vergessen angehört, wird durch die Kombination von Collage und Ready-Made in ein anderes Aggregatverzustand überführt. Das Tagebuch als Form verweist auf Zeit, Körper und Erinnerung; der Künstler zieht es aus dem privaten Raum heraus und stellt es als ästhetisches Objekt aus.
Jürgen O. Olbrich, 1955 in Bielefeld geboren und seit den frühen 1970er-Jahren in Kassel tätig, zählt zu den zentralen Figuren der deutschen Mail-Art- und Konzeptkunst-Szene. Seine künstlerischen Wurzeln liegen in Dada, Fluxus und Happening; das Prozesshafte, das Sammeln von Fundmaterial und das Arbeiten mit Wort-Bild-Kombinationen ziehen sich als roter Faden durch sein Œuvre. Seit 1987 international bekannt — nicht zuletzt durch seine Teilnahme an der documenta 8 — versteht Olbrich künstlerische Praxis als kollektive, basisdemokratische Kommunikation. Die Technik Collage/Ready-Made ist für ihn kein formales Stilmittel, sondern eine konzeptuelle Haltung: Was gefunden, kopiert oder notiert wird, trägt bereits seine eigene Geschichte in sich.
| Technik | Collage/Ready Made |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 80 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 27, 1994 |