Reinhard Nißle: O.T.
Eins von Hundert · Ausgabe 25 · 1994

Reinhard Nißle

O.T. · aus Frankfurt

Das Werk trägt keinen Titel — das bewusst gewählte »O.T.« (ohne Titel) ist selbst eine programmatische Aussage, die ich einbeziehen kann. Frankfurt 1994, Mischtechnik — das lässt sich im Kontext der zeitgenössischen deutschen Kunstszene der frühen 1990er sachlich verorten.

Das untitulierte Blatt aus dem Jahr 1994 entzieht sich von vornherein jeder sprachlichen Festlegung — »O.T.« ist hier keine Verlegenheitslösung, sondern eine Entscheidung: Das Werk behauptet sich durch Form, Material und Geste allein. Reinhard Nißle, in Frankfurt tätig, arbeitet mit Mischtechnik; das Verfahren erlaubt das Zusammenführen heterogener Bildmittel — zeichnerischer Einträge, malerischer Schichten, möglicherweise collagierter Elemente — und war in der deutschen Kunstszene der frühen 1990er Jahre ein bevorzugtes Instrument, um die Grenzen zwischen Malerei, Zeichnung und grafischer Arbeit produktiv zu destabilisieren. In dieser Zeit, kurz nach der politischen Zäsur von 1989/90, verbreiterte sich das Spektrum materialer Experimente spürbar; Mischtechnik wurde zum Ausdruck eines Aufbruchs, der sich nicht auf ein einziges Medium verpflichten wollte. Das Druckwerk der Edition »Eins von Hundert« fixiert einen solchen Moment: einen Werkstand von 1994, der in 100 nummerierten Exemplaren zugänglich ist und dem Blatt den Status eines eigenständigen, reproduzierbaren Originals verleiht.

TechnikMischtechnik
Format30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn
Exemplar41 von 100, signiert
AusgabeNr. 25, 1994
110 €
mit Rahmen · zzgl. Versand
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