Barbara Haiduck
Ein Malbuch als Druckwerk — das ist keine Nostalgie, sondern eine konzeptuelle Setzung. Barbara Haiduck nutzt 1993 ein vorgefertigtes Malbuch als Bildträger und überführt es per Laserdruck in ein eigenständiges Werk. Der Laserdruck der frühen 1990er-Jahre war damals noch kein Reproduktionsstandard, sondern eine neue, büronahe Technologie mit eigener ästhetischer Qualität: flach, präzise, ohne die Handwärme klassischer Drucktechniken. Genau diese Spannung zwischen dem kindlich konnotierten Malbuch und dem kühlen maschinellen Ausgabeformat macht das Werk aus. Das Blatt fragt, wer hier eigentlich ausfüllt — und was.
Haiduck studierte Künstlerische Fotografie an der GH Kassel bei Floris M. Neusüss und schloss 1989 als Meisterschülerin von Prof. Arno Jansen an der FH Köln ab. In ihrem Werk stellt sie der allgegenwärtigen fotografischen Bilderzeugung einen bewusst entschleunigten Prozess der Bildfindung entgegen; das Trägermaterial selbst wird dabei zum inhaltlichen Argument. Das Kölner Umfeld der frühen 1990er-Jahre, geprägt von konzeptueller Offenheit und medienkritischen Positionen, bildet den Rahmen, in dem dieses Blatt entstanden ist — ein Format A4, 100 Exemplare, keine weiteren Erklärungen nötig.
| Technik | Malbuch, Laserdruck |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 67 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 22, 1993 |