Katy Scheller: O.T.
Eins von Hundert · Ausgabe 34 · 1996

Katy Scheller

O.T. · aus Bremerhaven

Das titellose Blatt von 1996 entfaltet seine Wirkung im Spannungsfeld zweier gegensätzlicher Verfahren: Die Fotokopie als Werkzeug der mechanischen Reproduktion trifft auf den Prägedruck, der durch physischen Druck auf das Papier einen reliefartigen Eindruck hinterlässt — eine körperliche Spur ohne Farbe, eine Form, die sich eher ertasten als lesen lässt. Genau in dieser Dialektik liegt die konzeptuelle Dichte des Blatts: Die haptische Erhebung des Prägedrucks arbeitet gegen die Flächigkeit des kopierten Bildträgers und eröffnet eine Frage nach Materialität, Spur und dem, was ein Zeichen sichtbar oder unsichtbar macht. Das Thema Schrift ist hier nicht illustriert, sondern als formales Problem verhandelt — zwischen Abdruck und Abbild, zwischen dem, was hinterlassen wird, und dem, was reproduziert wird.

Katy Scheller arbeitete in den 1990er-Jahren in Bremerhaven. Über ihren künstlerischen Werdegang liegen keine gesicherten Informationen vor; das Werk selbst steht in einer konzeptuell ausgerichteten Druckgrafik-Tradition, die in dieser Dekade in der norddeutschen Kunstszene verbreitet war und Alltagsmaterialien und Reproduktionstechniken als künstlerische Mittel ernst nahm.

TechnikFotokopie, Prägedruck
Format30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn
Exemplar64 von 100, signiert
AusgabeNr. 34, 1996
110 €
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