Peter Boehm
»Aufgelöst« — der Titel selbst ist Programm. Auf dem Blatt aus dem Jahr 1995 überlagern sich Tusche, Graphit und Acryl auf Notenpapier: Die aufgedruckten Lineaturen des Notenträgers werden zum strukturellen Untergrund, gegen den sich Zeichenspuren setzen und wieder entziehen. Was lesbar sein könnte — ein Motiv, ein Zusammenhang — löst sich im Prozess auf; das Bild hält den Moment fest, in dem Form und Auflösung gleichzeitig existieren.
Peter Boehm, 1968 in Köln geboren, zählt zu den reflektiertesten Vertretern einer figürlich-abstrahierenden Malerei, die im Kölner Kontext der 1990er Jahre wurzelt. Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik an der Universität zu Köln wandte er sich ganz der Bildenden Kunst zu. Sein Werk kreist konsequent um Fragen der Wahrnehmung und der Erinnerung: Motive werden so weit reduziert, bis ihr Inhalt nur noch aus dem Gesamtzusammenhang heraus greifbar ist. Die Kombination von Tusche, Graphit und Acryl auf dem vorgefundenen Notenpapier entspricht genau dieser Methode — fremdes, bereits codiertes Material wird zum Bildträger und zur mitsprechenden Schicht, die das Motiv nicht illustriert, sondern befragt.
| Technik | Tusche, Graphit, Notenpapier, Acryl |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 19 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 29, 1995 |