Ursula Knorr
»Portrait« von 1994 vereint zwei Druckverfahren zu einer ungewöhnlichen Spannung: Der handgefertigte Linolschnitt trifft auf das mechanisch vervielfältigte Raster der Fotokopie. Der Abdruck des Linolstocks auf dem bereits bedruckten Papier erzeugt Schichtungen, in denen das Porträt als Gattung selbst befragt wird — zwischen Einzigartigkeit und Reproduzierbarkeit, zwischen Handwerk und technischem Bild.
Ursula Knorr (1946–2016) arbeitete in Köln, wo sie nach ihrem Studium an den Kölner Werkschulen gemeinsam mit Norbert Küpper ein Atelier im Stadtteil Zollstock unterhielt. Ihr Werk bewegt sich im Umfeld der Kölner Druckgrafik der 1980er und 1990er Jahre; Malerei, Druck und Grafik bildeten gleichrangige Stränge ihres Schaffens. Die Kombination von Linoldruck und Fotokopie in diesem Werk von 1994 steht für eine künstlerische Haltung, die das Serielle nicht als Einschränkung, sondern als produktives Spannungsfeld begreift — eine Einstellung, die in der Edition »Eins von Hundert« auf besondere Weise aufgehoben ist.
| Technik | Linoldruck auf Fotokopie |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 52 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 27, 1994 |