Christa Henn
»Niederlande« entfaltet sich aus unscheinbarem Alltagsmaterial: Telefonbuchseiten bilden den Bildträger, überzogen mit Aquarellfarbe und dem charakteristischen Blau einer Blaupause — jenem Verfahren aus der technischen Zeichnungspraxis, das Schichten sichtbar macht, ohne die darunterliegende Struktur ganz zu tilgen. Engmaschige Drucktype scheint durch Farbschleier hindurch, Schrift wird zur Textur, zur Landschaft. Der Titel »Niederlande« öffnet dabei eine geografisch-assoziative Ebene: flach, weit, von Wasser durchzogen.
Die Arbeit entstand 1992 in Köln — in demselben Jahr, in dem Christa Henn, 1957 in Köln geboren, begann, ihr Material systematisch zu erweitern. Bekannt wurde sie vor allem für ihre ausgedehnten Arbeiten mit Röntgenaufnahmen, mit denen sie seither Materialbilder und raumgreifende Installationen schafft. Dem liegt eine konsequente künstlerische Haltung zugrunde: das Durchleuchten von Oberflächen, das Sichtbarmachen von Innenräumen — physisch wie gedanklich. »Niederlande« gehört in diese frühe Phase, als Henn verschiedene industrielle und gefundene Materialien erkundete und collageartig überlagerte. Das Ergebnis ist ein Druckwerk, das Schrift, Farbe und technische Reproduktion zu einem dichten Bildraum verdichtet.
| Technik | Telefonbuchseiten, Aquarell, Blaupause |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 75 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 19, 1992 |