Oswald Oberhuber
Der Titel »Mein Name ist Hase« — eine direkte Anspielung auf die bekannte deutschsprachige Redewendung, die Unwissenheit oder bewusste Distanzierung von einem Sachverhalt bezeichnet — trifft bei Oswald Oberhuber auf ein unverkennbar verspieltes und konzeptuell aufgeladenes Gesamtwerk. Das Blatt aus dem Jahr 1994 verbindet sprachliches Bild und visuelle Geste: Eine Farbkopie, die nachträglich gestempelt und beklebt wurde, ist kein reproduziertes Kunstwerk im klassischen Sinne, sondern ein Unikat-artiges Multiples, das den Druckprozess selbst kommentiert und überschreibt. Der manuelle Eingriff — Stempel, Klebung — macht jedes der 100 Exemplare zu einem eigenen, leicht differenzierten Objekt.
Oswald Oberhuber (1931–2020) gilt als eine der prägendsten Figuren der österreichischen Nachkriegskunst. Früh dem Informel verbunden, verweigerte er konsequent jede stilistische Festlegung und arbeitete zeitlebens quer durch Malerei, Skulptur, Collage, Schrift und grafische Experiment — ein Prinzip, das er selbst als »permanente Veränderung« beschrieb. Als langjähriger Rektor der Hochschule für angewandte Kunst in Wien prägte er zudem ganze Generationen von Künstlerinnen und Künstlern. Die Technik dieses Werks — Farbkopie mit aufgestempelten und aufgeklebten Elementen — ist charakteristisch für Oberhubers Umgang mit dem Alltäglichen als künstlerischem Material: Das Verfahren des Kopierens wird zum Ausgangspunkt, der handwerkliche Eingriff zur eigentlichen künstlerischen Aussage.
| Technik | Farbkopie, gestempelt, beklebt |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 46 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 27, 1994 |