Bernhard Jott Keller
Der Titel schließt eine Bewegung aus — und behauptet damit umso nachdrücklicher eine eigene Position. »Kein Drehen im Kreis«, 1992 in Steingaden entstanden, ist Acrylfarbe auf Recycling-Karton: ein kleines, materiell bescheidenes Format, das seine Energie aus dem Widerspruch zwischen Träger und Aussage bezieht. Der wiederverwertete Karton bringt seine eigene Geschichte mit, bevor die Farbe ihn neu beschreibt — ein Verfahren, das für Bernhard Jott Keller charakteristisch ist.
Keller, 1950 in Lindenberg im Allgäu geboren, lebt und arbeitet in Steingaden. Seine Praxis verbindet Malerei, Zeichnung, Collage, Frottage und Schrift; gefundene Materialien sind bei ihm kein bloßes Stilmittel, sondern Träger von Bedeutung. Stilistisch bewegt er sich im Spannungsfeld von Informel und einem konzeptuell geprägten Alltagsmaterialismus, beeinflusst von der Écriture automatique der Surrealisten ebenso wie vom expressiven Gestus. Seit 1992 trägt er das »Jott« im Namen — Ergebnis einer Postkunst-Aktion, die selbst zum Werkbestandteil wurde. Das vorliegende Blatt, eine von hundert nummerierten Druckgrafiken, lässt offen, ob sein Titel eine Absichtserklärung ist oder eine Feststellung — und genau in dieser Offenheit liegt seine Wirkung.
| Technik | Acrylfarbe auf Recycling-Karton |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 5 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 20, 1992 |