Elvira Reith
Ein unbetiteltes Blatt — das »o.T.« verweist nicht auf Leere, sondern auf Offenheit. Elvira Reith lässt das Werk ohne sprachliches Etikett stehen: Was zu sehen ist, soll für sich sprechen.
Die in Köln lebende und arbeitende Künstlerin bewegt sich seit Jahrzehnten im Spannungsfeld von bildender Kunst, politisch engagiertem Handeln und kuratorischer Praxis. Ihre Arbeit verbindet malerisch-grafische Sensibilität mit einer Aufmerksamkeit für das Zeitgeschehen — Reith versteht Kunst als Reflexionsraum, nicht als dekoratives Objekt. Das Werk von 1991 entstand in einem für die Künstlerin produktiven frühen Schaffensmoment, kurz nach Aufenthalten in China und zeitgleich mit dem Zusammenbruch Osteuropas, die ihr Werk nachhaltig prägten.
Ölfarbe auf Pergament ist eine bewusst archaisch anmutende Materialkombination: Das transparente, leicht haptische Pergament nimmt die Ölfarbe anders auf als Leinwand oder Papier — Farbschichten lagern sich auf der Oberfläche ab, bleiben stofflich spürbar und erzeugen eine eigentümliche Tiefenwirkung zwischen Opazität und Durchscheinen. In diesem Wechselspiel von Trägermaterial und Pigment findet das Bild seine Sprache — jenseits des Titels.
| Technik | Ölfarbe auf Pergament |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 66 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 14, 1991 |