Ruth Jäger
Der Titel trägt zwei Namen: Gioconda — der vertraute Beiname für Leonardo da Vincis Porträt der Lisa Gherardini — und in Klammern Luise Brooks, die amerikanische Stummfilm-Schauspielerin, deren Pagenschnitt und kühle Präsenz in den späten 1920er Jahren zum ikonischen Gesicht einer ganzen Epoche wurden. Ruth Jäger stellt diese beiden Figuren in eine direkte Entsprechung: Hier wie dort ein Frauengesicht, das zwischen Rätselhaftigkeit und Projektionsfläche changiert, das die Blicke anzieht und zugleich etwas Undurchdringliches bewahrt.
Über Ruth Jäger liegen keine gesicherten biographischen Daten in zugänglichen Kunstdatenbanken vor; die vorliegenden Werk-Daten verorten sie 1990 in Köln, im Kontext der Kölner Künstlerszene, die diese Edition trägt. Die Technik — bearbeitete Fotografie — verweist auf einen bildkritischen Ansatz, der in dieser Zeit von Künstlerinnen wie Cindy Sherman oder Barbara Kruger international scharf konturiert wurde: das fotografische Bild nicht als neutrales Dokument, sondern als Material, das sich durch Eingriff, Überlagerung oder Verfremdung zu einem neuen Bedeutungsträger wandelt. Jäger greift in das Ausgangsbild ein und macht sichtbar, was das Porträt immer schon war — Konstruktion, Zuschreibung, Mythos.
| Technik | Bearbeitete Fotografie |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 37 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 9, 1990 |