Roland Bergere
Der Titel zitiert — leicht verändert — Victor Hugos Gedicht »Oceano Nox«: »Combien de marins, combien de capitaines« ist dessen berühmter Eingangsvers, der das Verschwinden von Seefahrern ins offene Meer betrauert. Roland Bergère, 1990 in Köln tätig, greift diesen Vers auf und überführt ihn in ein Blatt, das selbst von Wiederholung, Vervielfältigung und Verlust handelt: Die Kombination von Bleistift- und Buntstiftzeichnung mit Fotokopie — einem reproduktionstechnischen Mittel, das verändert, was es vervielfältigt — macht das Thema der Arbeit zugleich zu ihrer Methode.
Die Frage des Titels bleibt offen, die Zählung beginnt und kommt nicht ans Ziel. Bergère, in Lorient an der bretonischen Atlantikküste geboren und seit Anfang der 1980er Jahre in Köln lebend, arbeitet an den Schnittstellen von Zeichnung, konzeptueller Kunst und Medienreflexion. Sein Ansatz kreist um Wahrnehmung, Gedächtnis und die Frage, was Abbildung von der Wirklichkeit noch übriglässt. Die Fotokopie als künstlerisches Medium — nicht Druckgrafik im handwerklichen Sinne, sondern eine Generation-der-Kopie, die das Original zitiert und zugleich entfernt — passt präzise in diesen Kontext. Das Blatt entstand 1990 im Format A4, auf 100 Exemplare limitiert, und gehört zu den frühen Ausgaben der Edition aus der Zeit ihrer größten konzeptuellen Dichte.
| Technik | Bleistift, Buntstift, Fotokopie |
| Format | 30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn |
| Exemplar | 14 von 100, signiert |
| Ausgabe | Nr. 9, 1990 |