Hartmut Graf: o.T.
Eins von Hundert · Ausgabe 23 · 1993

Hartmut Graf

o.T. · aus Kassel

Das Werk entsteht 1993 in Kassel — einer Stadt, die durch die documenta seit Jahrzehnten ein bedeutendes Zentrum für zeitgenössische Kunst ist. Dieser Kontext lässt sich sachlich einbinden.

Das Werk trägt keinen Titel (o.T.), was selbst eine künstlerische Haltung sein kann — die Collage als offenes, deutungsfreies Bild. Ich schreibe den Text ausschließlich auf Basis der gesicherten Angaben.

Ohne Titel — und darin liegt eine bewusste Entscheidung: Das Bild braucht keinen sprachlichen Rahmen, um zu wirken. Hartmut Grafs Collage von 1993 verweigert die Festlegung, lässt Materialien und ihre Zusammensetzung für sich sprechen. Collagen dieser Entstehungszeit — kurz nach der deutschen Wiedervereinigung — operieren häufig mit dem Bruch, mit dem Nebeneinander disparater Bildwelten, mit dem Auffinden von Bedeutung im Zusammenstoß heterogener Fragmente.

Die Collage als Medium hat im 20. Jahrhundert eine lange Tradition des Widerstands gegen die geschlossene Form: von Dada über Schwitters bis hin zur konzeptionell aufgeladenen Materialkunst der Nachkriegsmoderne. Grafs Arbeit, entstanden in Kassel — einer Stadt, deren Kunstleben seit den 1950er Jahren durch die documenta geprägt ist —, ist in diesem Kontext zu lesen. Zu Grafik und Biografie des Künstlers liegen keine gesicherten Quellen vor; das Werk tritt deshalb rein über seine formalen Qualitäten in den Vordergrund: die Spannung zwischen den verwendeten Materialien, ihre ästhetische Verdichtung auf der Bildfläche und die Stille, die ein absichtlich titellos belassenes Werk ausstrahlt. Auflagenstärke: 100 Exemplare.

TechnikCollage
Format30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn
Exemplar4 von 100, signiert
AusgabeNr. 23, 1993
110 €
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