Jürgen O. Olbrich: O.T.
Eins von Hundert · Ausgabe 29 · 1995

Jürgen O. Olbrich

O.T. · aus Kassel

Die Collage von 1995 entfaltet sich als dicht geschichtetes Gefüge aus vorgefundenem Bildmaterial, Papierfragmenten und grafischen Elementen. Was auf den ersten Blick wie ein zufälliger Bildbefund wirkt, folgt einer konzeptuellen Logik: Das Nebeneinander und Übereinander heterogener Fragmente erzeugt ein Bedeutungsfeld, das sich dem linearen Lesen entzieht und stattdessen Assoziationsketten freilegt — Spurenlesen als ästhetische Erfahrung.

Jürgen O. Olbrich, 1955 in Bielefeld geboren und seit seiner Ausbildung zum Bühnenbildner in London in Kassel ansässig, zählt zu den prägenden Figuren der deutschen Konzept- und Fluxus-nahen Kunst. Seine künstlerischen Wurzeln reichen in die Dada- und Fluxus-Bewegungen sowie in die internationale Mail-Art-Szene; 1987 wurde er durch die Teilnahme an der documenta 8 einem breiteren Publikum bekannt. Der Künstler arbeitet konsequent mit Fundmaterialien, Verfahren des Zufalls und Wort-Bild-Kombinationen — stets mit dem erklärten Ziel, ablaufende Zeit und Vergänglichkeit sichtbar zu machen, dem Vergessen entgegenzuwirken. Die Collage ist in diesem Sinne sein genuines Medium: Ein Zusammentragen und Konservieren des Flüchtigen, das im Moment des Klebens und Schichtens eine neue, eigenständige Wirklichkeit gewinnt.

TechnikCollage
Format30 × 40 cm (A4), gerahmt in Ahorn
Exemplar53 von 100, signiert
AusgabeNr. 29, 1995
110 €
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